Predigt am 3. Sonntag nach Epiphanias

Die Gnade unseres Herren Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde,
„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ - ein schöner Vers. Viele von Ihnen werden bei einer Hochzeit schon einmal eine Predigt über diesen Vers gehört haben, denn er ist bei Hochzeitspaaren sehr beliebt. Vielleicht ist es sogar Ihr eigener Trauspruch. Auch ich habe schon mehrere Traupredigten über diesen Vers gehalten. Es sind starke Worte, die zusammenfügen sollen, was eben nicht automatisch zusammen gehört: zwei Menschen mit ihren eigenen Prägungen, und damit auch zwei Familien. Es sind Worte, die ausdrücken, dass diese Ehe durch den Willen der beiden Partner gegründet wird.

Heute ist der Abschnitt aus dem Buch Rut, in dem dieser Vers steht, als Predigttext vorgeschlagen – übrigens in diesem Jahr zum ersten Mal, denn er gehört zu den neuen Predigttexte in der Perikopenordnung.

Ich lese aus dem Buch Rut 1 die Verse 1 bis 19a:
Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. 2 Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. 3 Und Elimelech, Noomis Mann, starb und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. 4 Die nahmen moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, 5 starben auch die beiden, Machlon und Kiljon, sodass die Frau beide Söhne und ihren Mann überlebte. 6 Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. 7 Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, 8 sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. 9 Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten 10 und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. 11 Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? 12 Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einen Mann zu nehmen. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung! , und diese Nacht einen Mann nehmen und Söhne gebären würde, 13 wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch so lange einschließen und keinen Mann nehmen? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand ist gegen mich gewesen. 14 Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber blieb bei ihr. 15 Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. 16 Rut antwortete: Rede mir nicht ein, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. 17 Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. 18 Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. 19 So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

Unser Abschnitt beginnt und endet in Bethlehem. In der Stadt, in der später König David geboren wird. Und noch viel später Jesus. Das ist kein Zufall, denn das Buch Rut erzählt, wie es kommt, dass König David die Moabiterin Rut Urgroßmutter hat. Und das Matthäusevangelium führt Rut dann im Stammbaum Jesu auf.

Ausgerechnet im Bethlehem – übersetzt bedeutet das „Haus des Brotes“ – herrschte Hungersnot. Wie vor ihnen auch Abraham und wie das Volk Israel zur Zeit Josefs verließen Elimelech und Noomi mit ihren Söhnen wegen der Hungersnot das von Gott verheißene Land. Heute würde man von Wirtschaftsflüchtlingen sprechen. Allerdings gingen Noomi und Elimelech nicht nach Ägypten, sondern in das Nachbarland Moab. Ausgerechnet Moab! Dieses Land und seine Bewohner genießen in anderen Büchern des Alten Testaments einen sehr schlechten Ruf. Enge Beziehungen zu Moabitern werden dort ausdrücklich verboten.

Die Familie von Noomi wird in Moab aber gut aufgenommen und integriert. Nach dem Tod des Vaters finden beide Söhne moabitische Frauen. Auch das Verhältnis zu ihnen war gut. Orpa und Rut hielten auch noch zu ihrer Schwiegermutter, nachdem ihre Männer verstorben waren. Und das, obwohl beide keine Kinder hatten und noch gute Chancen gehabt hätten, mit einem anderen Mann eine neue Familie zu gründen.

Als Rut hörte, dass die Hungersnot in Israel vorbei war, entschließt sie sich wieder nach Israel zurückzukehren. Ich finde interessant, dass Noomi Gott für ihr hartes Schicksal verantwortlich macht, aber nicht das Gastland.

Für die beiden Schwiegertöchter ist es selbstverständlich mit Noomi zusammen in das für sie fremde Land zu ziehen. Dabei werden sie gewusst haben, dass der Neustart als Ausländerinnen in dem fremden Land - und noch dazu ohne männliches Familienoberhaupt in einer patriarchalen Gesellschaft - nicht leicht wird. Es hat Rut einige Überzeugungsarbeit gekostet, wenigstens Orpa dazu zubringen, in ihrem Heimatland zu bleiben und ihre dort viel besseren Lebenschancen zu nutzen.

Rut aber blieb hartnäckig. Ihr war ihre Schwiegermutter so ans Herz gewachsen, dass sie sich nicht vorstellen konnte, sich von ihr zu trennen. Jene Worte, die bei uns als Trauspruch so beliebt sind, sagte sie nicht zu dem Mann, den sie später geheiratet hat, sondern zu ihrer Schwiegermutter:

Rede mir nicht ein, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.

Sie ließ sich auf Lebensumstände ein, mit denen sie als kleines Mädchen niemals gerechnet hätte und von denen sie schon gar nicht geträumt haben wird: Nicht die glückliche Ehe und Familie, sondern die Lebensgemeinschaft mit ihrer Schwiegermutter. Nicht das vertraute Leben in ihrer Heimat, sondern der mühsame Neuanfang in einem fremden Land, in dem sie immer die Moabiterin bleiben wird. Und sie ist wild entschlossen, dieses Leben nicht nur zu erdulden, sondern aktiv zu gestalten. Davon wird weiteren Verlauf dieser Geschichte berichtet, den ich in dieser Predigt nicht erzählen kann. Hier nur soviel: Die Geschichte hat ein Happyend: Rut bekommt einen Sohn, um den Noomi sich dann kümmert. Und ich empfehle Ihnen das kleine Buch Rut auch dann als Sonntagslektüre, wenn Sie die Geschichte aus dem Kindergottesdienst schon kennen sollten.

Für uns können Noomi und Rut eine Ermutigung sein, mit Gottes Segen auch und gerade zu rechnen, wenn das Leben anders läuft, als wir uns das wir uns das vorgestellt haben. Und daraus die Kraft zu schöpfen, auch in schwierigen Lebenssituationen das Leben in die Hand zu nehmen, damit es uns und unseren Lieben gut geht. Wann immer das bei Ihnen so ist, wünsche ich Ihnen dafür Gottes Segen.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Letzte Aktualisierung: 16.04.2021 | Impressum | Datenschutzerklärung