Predigt für Himmelfahrt

Predigt: Susanna Kschamer

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Der Predigttext für den Himmelfahrtstag steht beim Evangelisten Johannes im 17. Kapitel. Ich lese die Verse 20 - 26

20 Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden,
21 dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.
22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind,
23 ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.
24 Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war.
25 Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

Liebe Gemeinde,
ist es Ihnen und Euch auch so gegangen? Beim Lesen des Predigttextes kam es mir vor, als würde alles umeinander kreisen, wie ein Spiralnebel im Kosmos. Dieses Bildbeispiel aus dem Himmel passt dazu, dass wir heute Christi Himmelfahrt feiern.  Vermutlich haben Sie schon einmal ein Bild von einem Spiralnebel gesehen. Er besteht aus unzähligen Sternen und leuchtet in unterschiedlichen Farben. In der Mitte hat er ein Zentrum, um das sich alles dreht. Auch unser Text hat so einen Mittelpunkt: hier ist es das Einssein. Hier ist alles miteinander verbunden. Doch dazu später mehr.

Unser Predigttext entstammt einem langen Gebet, mit dem Jesus im Johannesevangelium seine Abschiedsrede beendet. Seinem Vater vertraut er vor seinem Tod die an, die Gott ihm gegeben hat.
Das passt nun zu dem anderen Fest, das heute gefeiert wird: dem Vatertag. Jesus handelt wie ein Vater angesichts seines bevorstehenden Todes: Er vertraut die Seinen Gott an und drückt aus, was er sich für sie wünscht.
Und zugleich wendet er sich dezidiert als Sohn an seinen Vater, betont die ganz besondere Beziehung, die zwischen Vater und Sohn besteht. Eine Vater-Sohn- Beziehung, die älter ist, als der Ursprung von Welt und Kosmos.

Unser Abschnitt ist der letzte Teil des Gebets. Hier geht es um die Gläubien, die Jesus gar nicht mehr selbst kannten, sondern durch die Verkündigung der Jünger von ihm erfuhren. Also um Menschen, für die dieses Evangelium am Ende des 1. Jahrhunderts geschrieben wurde. Und auch um uns.

Zurück zum Zentrum unseres Spiralnebels: dem Einssein.
Gerade jetzt in der Coronakrise merken wir, wie sehr die ganze Menschheit zusammen gehört. Die ganze Welt ist betroffen, innerhalb kürzester Zeit wurden in vielen Ländern auf allen Kontinenten ähnliche Entscheidungen getroffen, um das Virus einzudämmen. Mancher konnte sich das nur so erklären, dass hier verborgene Mächte die Strippen ziehen und damit böse Pläne umsetze wollen. Dabei wird hier eher deutlich wie ähnlich und wie ähnlich gefährdet die Menschen auf der ganzen Welt sind. In unseren westlichen Gesellschaften wird ja viel Wert darauf gelegt, dass jeder Mensch besonders ist und auch so behandelt werden will und soll. Doch nun werden wir darauf gestoßen, wie verletzlich unser Leben ist und nahe wir uns darin sind.

Zugleich werden in dieser Krise auch die Unterschiede deutlich: Risikogruppen werden gegen die größtenteils jüngeren Anderen ausgespielt. Gelten sie dann als Normalbevölkerung und die anderen werden zu bedauernswerten Sonderfall?
Es verstärken sich Unterschiede, die schon vor Corona bestanden: Es ist nicht egal, ob man den Shutdown in einem Haus mit Garten auf dem Land erlebt, in einer Hochhauswohnung in der Großstadt, oder in einem Slum oder Flüchtlingslager, ohne Chance Abstand halten zu können.
Es ändert eine Menge, ob man nebenher Homeoffice, Kinderbetreuung und häuslichen Schulunterricht auf die Reihe bekommen muss. Ob man alleine in seiner Wohnung sitzt und Menschen, wenn überhaupt, nur mit zwei Metern Mindestabstand begegnen kann. Oder ob man in Heim oder Krankenhaus auf Besuch von seinen Lieben verzichten muss.

Wir sind gleich und dann doch verschieden. Nach der allerersten Zeit sieht man das auch im Umgang mit der Coronakrise. Unterschiedliche Einschätzungen und Forderungen werden nun laut. Und wir tun gut daran auf die besondere Situation eines jeden und einer jeden Rücksicht zu nehmen. Und das paradoxer Weise gerade deswegen, weil wir das Ziel den Coronavirus einzudämmen und zu bekämpfen nur gemeinsam erreichen können und alle mitnehmen müssen.

Das Verhältnis vom Einssein und Besonderssein gilt es auch in unserer Kirchen auszutarieren. Wir versuche als Volkskirche für alle Altersstufen und Lebensstile offen zu sein. Und scheitern immer wieder daran.  Blicken wir über den Gartenzaun,  sind da die verschiedenen anderen christlichen Konfessionen – lutherisch, reformiert und freikirchlich, orthodox, katholisch und charismatisch, um nur die größten zu nennen. Alle mit ihren besonderen Stärken. Dabei habe ich die andere Religionen und Weltanschauungen noch außen vor losgelassen, auch wenn ich mir sicher bin, dass Gott auch hier seine Wege findet.
Aber wo bleibt in der Kirche die Einheit? Schließlich sind wir doch der eine Leib Christi!

Vertraue ich unserem Text geht es nicht darum, Standards aufzustellen, denen alle genügen müssen. Die Einheit im Zentrum des Spiralnebels hat eine besondere Qualität: es ist die durch Christus vermittelte göttliche Liebe! Sie macht uns fähig Unterschiede auszuhalten und sich an ihnen sogar zu erfreuen. Und sie hilft uns um der Einheit und der Gemeinschaft willen auch einmal zurückzustecken. Sie sorgt dafür, dass uns der Himmel offen steht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 13.07.2020 | Impressum | Datenschutzerklärung