16.05.2021, 10:00 Uhr

Predigt für den Sonntag Exaudi 2021

Die Gnade unseres Herren Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde

Vom Sehnen tief in uns, haben wir eben gesungen, vom Durst nach Glück, nach wahrem Leben.
Durst ist ein sehr elementares Bedürfnis, mehr noch als Hunger. Während es möglich ist, wochenlang ohne feste Nahrung auszukommen, kann ein Mensch nur wenige Tage überleben, ohne zu trinken. Durst ist kein „Nice-to-have“, kein Luxus-Bedürfnis, das erst auftritt, wenn ein Mensch hat, was er zum Überleben braucht. Das ist Menschen, die wie Jesus am Rand von Wüsten leben,
noch viel dringlicher bewusst, als uns hier im wasserreichen Schleswig-Holstein.

Um Durst geht es auch im Predigttext für den heutigen Sonntag. Ich sehe aus dem 7. Kapitel des Johannesevangeliums die Verse 37 - 39

Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.
Jesus spricht diese Worte am Ende des Festes Sukkot, des Laubhüttenfestes im Herbst.
Bis heute leben Jüdinnen und Juden während dieses Festes wenn möglich in einer provisorisch errichteten Hütte aus Zweigen – einer Sukka- und verbinden das mit der Erinnerung an die Zeit der Wüstenwanderung.
Das Fest ist ursprünglich ein Erntefest: Man dankt für die Ernte und bittet um Wasser für das kommende Jahr. Deswegen gehörte zu diesem Fest noch zu Jesu Zeiten ein Wasserritus im Tempel. Als der Evangelist Johannes sein Evangelium aufgeschrieben hat, war der Tempel allerdings schon von den Römern zerstört worden.
Johannes berichtet, dass Jesus zunächst gezögert hatte zum Laubhüttenfest nach Jerusalem zu gehen. Und das obwohl ihn einige aus dem engsten Kreis seiner Anhänger dazu gedrängt hatten. Er fürchtete die Verfolgung, hatte nicht den Eindruck, dass dies der richtige Zeitpunkt ist, und schickte sie alleine los. Schließlich machte er sich heimlich doch auf den Weg, und lehrte dann sogar öffentlich im Tempel. Seine Reden beschloß er mit den Worten unseres Predigttextes. Hinterher gab es kontroverse Diskussion unter den Zuhörerinnen und Zuhörer darüber, was sie von Jesus und seiner Lehre zu halten haben.
Jesus spricht diese Worte in einer Situation, die ich unübersichtlich finde und die mich etwas verwirrt: Jesus spricht von Durst und damit indirekt auch von Wasser – aber der Wasserritus war nicht mehr möglich, als Johannes diese Worte aufschrieb, weil der Tempel zerstört war..
Kurz nachdem er sich selbst so schwankend verhalten hat,  sagte er seinen Anhängerinnen und Anhänger Worte voller Verheißung: Es soll nicht nur ihr eigener Durst gestillt werden. Das hatte er ja auch schon der Frau aus Samarien am Jakobsbrunnen versprochen: „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ Aber nun verspricht er, dass sie selbst zur Quelle des lebendigen Wassers für andere werden sollen: aus ihrem Inneren werden Ströme lebendigen Wassers fließen!
Mit meiner Verwirrung bin ich anscheinend nicht allein. Auch der Evangelist Johannes beeilt sich eine Erklärung hinterher zu schieben: „Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.“
Mich überzeugt diese Erklärung aber nicht ganz. Der Geist Gottes wirkte schließlich schon von Beginn der Schöpfung an. Und unsere Welt ist auch nach Pfingsten eine, in der es bedrängende Situationen gibt - und auf einmal erfahren wir gerade dann die Verheißungen Gottes. Dafür muss nicht erste eine ideale Situation eintreten und es muss noch nicht einmal eine geklärte Situation hergestellt werden. Die Sehnsucht bleibt.Wir sind immer wieder auf der Suche nach dem lebendigen Wasser – und manchmal werden wir bei unserer Suche selbst zur Quelle für andere.
Und so verwirrt mich das Hin- und Her im Verhalten von Jesus nicht mehr, sondern ich entdecke, dass er auch an unserer Seite ist, wenn das Leben unübersichtlich wird. Dass er uns mit uns unterwegs ist, wenn wir jetzt das lebendige Wasser suchen. Deshalb lade ich Sie ein sich mit mir auf den Weg zu machen – und davon auch zu singen.
In dunkler Nacht woll’n wir ziehen, lebendiges Wasser finden.
Nur unser Durst wird uns leiten, nur unser Durst wird uns leiten.

https://www.youtube.com/watch?v=Ifq4fJwcShE

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Letzte Aktualisierung: 21.09.2021 | Impressum | Datenschutzerklärung